St. Nikolai-Kirche Kremmen

Die erste bekannte Erwähnung von „Cremene“ findet sich in einer bischöflich brandenburgischen Urkunde aus dem Jahr 1217.  Seit 1298 besitzt Kremmen Stadtrecht. Die St. Nikolai-Kirche ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. Am Ostgiebel erkennt man die ursprüngliche Höhe der spätromanischen Feldsteinkirche aus der Zeit um 1250. Die Fläche entsprach etwa der des heutigen Chorraumes. Bei der Erweiterung der Kirche in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand aus der Vorgängerkirche zunächst der heutige Chorraum in eindrucksvollen Dimensionen. Ob dann die Mittel erschöpft waren, kann nur vermutet werden, denn der 3-schiffige Kirchenraum wurde danach relativ niedrig und etwas geduckt wirkend ausgeführt. Die Größe des Chorraumes lässt größere Ursprungspläne vermuten. Zwischenzeitlich war der Chorraum mit 2 umlaufenden Emporen ausgestattet. Die 2. Empore wurde vor einer Renovierung 1926 entfernt.

1961 musste auch der hinter dem Altar verlaufende Teil der 1. Empore sowie bereits 1959 die Orgelempore zur Vorbereitung des Orgelneubaues weichen. Mehrere Stadtbrände zogen auch die Nikolaikirche in Mitleidenschaft.

Nach einem Schwelbrand 1994 wurde die Kirche 1995 grundlegend renoviert. Die Haltbarkeit war durch Material- und Arbeitsfehler leider begrenzt, so dass schon 2003/04 eine erneute grundlegende Restaurierung notwendig wurde.Hierbei wurden die teilweise jahrhundertealten Farbschichten gründlich untersucht und der Innenraum der Kirche wieder in der Farbgebung gestaltet, wie er nach dem Neubau im 15. Jahrhundert anzutreffen war.

St. Nikolai-Kirche Kremmen
Kirchplatz
16766 Kremmen

 

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 Viele kleine Details wurden dabei entdeckt und wieder ans Tageslicht geholt, die eine Besichtigung heute zu einer Entdeckungsreise werden lassen. Die vorreformatorische Bauzeit belegen die beiden Weihekreuze neben den Eingängen. Die Reformation kam in Kremmen übrigens 1540 an. Ein Rundgang um die Kirche offenbart viele interessante Details der Kirchenbaugeschichte. An der Nordseite wurde der freie Raum zwischen Sakristei und Seitenschiff mit einem Anbau ausgefüllt. Dafür musste ein großes Fenster im Chorraum verschlossen werden. Um den Zugang zur 2. Empore und den Aufstieg zum Turm zu erleichtern, baute man 1865 an der Südseite eine neogotische Vorhalle an, die sich dem alten Gebäude nicht ganz glücklich angliedert. Einige Zeit war hier der Haupteingang zur Kirche. Neben diesem Eingang findet man eine Sonnenuhr aus der Erbauungszeit der Kirche.

Das Ziegelmauerwerk zeigt viele so genannte Fieberlöcher. Der ausgekratzte Ziegelstaub sollte als Heilmittel für verschiedene Krankheiten dienen. Die großen Löcher, die in regelmäßigen Abständen an der ganzen Kirche zu finden sind, dienten zum Einhängen von Gerüsten beim Bau und bei Reparaturen.

 Der Turm, der ursprünglich 37 m hoch und mit einer hölzernen Haube versehen war, brannte am 27. August 1917 nach einem Blitzeinschlag aus, stürzte in sich zusammen und begrub die Orgel sowie die große Glocke, die im 1. Weltkrieg hängen bleiben durfte.

Die Wiederherstellung des Turmes 1927/28 fiel 6 Meter niedriger aus und gab der Nikolaikirche das heutige, etwas gedrungene Aussehen. Auf Fenster wurde verzichtet, so dass heute ein Ausblick leider nur umständlich durch 2 kleine Dachfenster möglich wäre, der Aufstieg ist aber nicht gestattet. Von 1928 stammt auch die sich elektrisch aufziehende Turmuhr, die bis heute zuverlässig ihren Dienst tut. Aus Sparsamkeitsgründen musste der Glockenstuhl im gleichen Jahr aus Stahl statt aus Holz gefertigt werden. Anstelle eines Bronzegeläutes konnten aus dem gleichen Grund 3 bereits gebrauchte Stahlglocken in Brilon / Hessen aufgetrieben werden. In den letzten Kriegstagen 1945 wurde das nördliche Seitenschiff schwer beschädigt. Unter großen Mühen in der Nachkriegszeit errichtete der Kremmener Maurer Wilhelm Zehlicke das Gewölbe neu. 

Die barocke Innenausstattung der Kirche stammt aus der Zeit nach dem großen Stadtbrand von 1680. Der Altar wurde 1686 von Marco von der Lütken gestiftet.

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Die Bilder zeigen das Abendmahl, die Kreuzigung, die Auferstehung und die Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Die Himmelfahrt war früher in dem Stern an der Spitze des Altares dargestellt. Dieser Stern ist leider verschollen. Seit den 1960er Jahren schmückt den Altar ein neuer Stern. Der 13-strahlige Stern trägt nun den hebräischen Gottesnamen „JHWH“.

Die Kanzelbilder, eine Stiftung des Münzmeisters Christoph Pflug von 1690, zeigen die 4 Evangelisten mit Christus in der Mitte. Auf der Unterseite des Kanzeldeckels ist der Heilige Geist in Gestalt einer Taube dargestellt, auf dem Deckel steht der zum Himmel auffahrende Christus. Die Tür zur Kanzeltreppe zeigt die Apostel Petrus und Paulus. Der Kremmener Ratsherr Andreas Busse stiftete im 17. Jahrhundert den Taufstein. Drei girlandengeschmückte Kinder tragen das Taufbecken. Die Taufschale und die dazugehörige Kanne stammen von 1818. Anfangs war dieser Taufstein mit einer hölzernen Krone aus dem Jahr 1645 versehen. An der erhaltenen südlichen Empore sind die Apostel mit ihren Marterwerkzeugen dargestellt. Anstelle des Judas ist Christus zu sehen. Das Epitaph im nördlichen Seitenschiff von 1691 erinnert an den im Türkenkrieg gefallenen Adolph Ernst von der Lütke, Sohn des Altarstifters. Im südlichen Seitenschiff wird an einen Sohn des Bürgermeisters Johann Grüwel erinnert, gefallen im spanischen Erbfolgekrieg. Weitere Gedenktafeln erinnern an die Opfer verschiedener Kriege.

 

Die drei prächtigen Kronleuchter von 1733, 1763 und 1816 sind Geschenke Kremmener Frauen, der mittlere beispielsweise von den „dienstthuenden Jungfern“. Auf der Westempore steht eine zweimanualige Schuke-Orgel. Ihr Prospekt wurde dem Zeitgeschmack entsprechend gestaltet.

 

Die Kirche ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

 

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Orgel in Kremmen