Evangelischer Pfarrsprengel Kremmen

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Geschichte der St. Nikolai-Kirche in Kremmen

Die Nikolaikirche ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt Kremmen. Am Ostgiebel erkennt man die ursprüngliche Höhe der spätromanischen Feldsteinkirche aus der Zeit um 1200, sie entstand also noch bevor Kremmen 1298 das Stadtrecht erhielt. Die Fläche entsprach etwa der des heutigen Chorraumes.
Bei der Erweiterung der Kirche entstand aus der Vorgängerkirche zunächst der heutige Chorraum in eindrucksvollen Dimensionen. Ob dann die Mittel erschöpft waren, kann nur vermutet werden, denn der 3-schiffige Kirchenraum wurde danach relativ niedrig und etwas geduckt wirkend ausgeführt. Die Größe des Chorraumes lässt größere Ursprungspläne vermuten. Zwischenzeitlich war der Chorraum mit 2 umlaufenden Emporen ausgestattet. Die 2.Empore wurde vor einer Renovierung 1926 entfernt. 1961 musste auch der hinter dem Altar verlaufende Teil der 1. Empore sowie die
Orgelempore weichen. Mehrere Stadtbrände zogen auch die Nikolaikirche jedes Mal in Mitleidenschaft. Nach einem Schwelbrand 1994 wurde die Kirche 1995 grundlegend renoviert. Die Haltbarkeit war durch Material- und Arbeitsfehler leider begrenzt, so dass 2003/04 eine erneute grundlegende Restaurierung notwendig wurde. Hierbei wurden die teilweise jahrhundertealten Farbschichten gründlich untersucht und der Innenraum der Kirche wieder in der Farbgebung gestaltet, wie sie nach dem Neubau in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts anzutreffen war. Viele kleine Details wurden dabei entdeckt und wieder ans Tageslicht geholt, die eine Besichtigung heute zu einer Entdeckungsreise werden lassen.

Ein Rundgang um die Kirche offenbart viele interessante Details der Kirchenbaugeschichte. An der Nordseite wurde der freie Raum zwischen Sakristei und Seitenschiff mit einem Anbau ausgefüllt. Dafür wurde ein großes Fenster im Chorraum verschlossen. 1865 baute man an der Südseite eine neogotische Vorhalle an, die sich dem alten Gebäude nicht ganz glücklich angliedert. An dieser Seite findet man auch eine Sonnenuhr aus der Erbauungszeit der Kirche. Das Ziegelmauerwerk zeigt viele so genannte Fieberlöcher. Der ausgekratzte Ziegelstaub sollte als Heilmittel für verschiedene Krankheiten dienen. Die großen Löcher, die in regelmäßigen Abständen an der ganzen Kirche zu finden sind, dienten zum Einhängen von Gerüsten beim Bau und bei Reparaturen.

Der Turm, der ursprünglich 37 m hoch und mit einer hölzernen Haube versehen war, brannte am 27. August 1917 nach einem Blitzeinschlag aus. Die Wiederherstellung 1927/28 fiel 6 Meter niedriger aus und gab der Nikolaikirche das heutige, etwas gedrungene Aussehen. In dieser Zeit wurden auch die Glocken und die Turmuhr erneuert.

Die barocke Innenausstattung stammt aus der Zeit nach dem großen Brand von 1680. Altar, Kanzel, Taufstein wie auch die Bilder an der Empore im Chorraum wurden von verschiedenen Kremmener Persönlichkeiten gestiftet. Auch die drei prächtigen Kronenleuchter von 1733, 1763 und 1816 sind Geschenke.

Die jetzige Orgel wurde 1961 gebaut.